„Guru Parampara Stotra“ ist eine Stotra zur Anrufung der Gurus, der spirituellen Lehrer. Parampara ist die Aufeinanderfolge. Guru Parampara ist die Abkürzung von Guru Shishya Parampara, also die Aufeinanderfolge von Lehrer und Schüler. In der Guru Parampara Stotra werden die Namen der großen Meister einer bestimmten Tradition rezitiert. Und diese Parampara Stotra ist die Stotra der großen Meister der Yoga Vidya Tradition, eine Shankaracharya-Tradition. Sie bezieht sich besonders auf den Meister Shankaracharya, der wahrscheinlich um 800 n.Chr. gelebt hat. Es ist eine Tradition, die Vaishnavas, Shaktas und auch Shaivas enthält und somit alle drei Hauptströmungen Indiens vereint.
Die Guru Parampara Stotra beginnt mit Narayana und Narayana ist Vishnu selbst. Alle großen Guru Parampara Stotras beginnen mit Gott selbst. So wie auch Patanjali im Yoga Sutra sagt: „Der ursprüngliche Guru aller Gurus ist Ishwara, also Gott selbst.“ Nach Narayanam folgt Padmabhavam. Padmabhava ist der Lotosgeborene, das ist Brahma, der Schöpfergott, der aus dem Lotos entstanden ist, der aus Vishnus Nabel wuchs.
Dann folgt Vasishtha, ein mystischer Weiser, Sohn von Brahma und auch sein erster Schüler. Dann folgt Shakti, Sohn oder Tochter von Vasishtha. Tatputra heißt Sohn, aber Shakti ist ein weiblicher Name. Die nächste Generation ist dann Parashara, Sohn von Shakti. Vyasa ist der Sohn von Parashara. Dann folgt Shuka, die Abkürzung für Shukadeva, Vyasas Sohn. Die ersten Gurus waren also miteinander verwandt.
Eigentlich gilt diese Guru Parampara als eine Sannyas Guru Parampara, denn Shankaracharya hat auch mit diesen Mantras seine Schüler eingeweiht. Aber die ersten Weisen sind Väter und Söhne voneinander und damit verbindet diese Guru Parampara Stotram nicht nur Verehrer verschiedener Aspekte Gottes, sondern auch die Familientradition mit der Sannyasa-Tradition, der Tradition der Swamis.
Nach Shukadeva, der vor einigen tausend Jahren gelebt haben soll, gibt es dann erstmal große Sprünge bis zu Gaudapada. Mahanta heißt Meister, er ist ein großer Meister, er ist der Lehrer des Lehrers von Shankara. Gaudapada hatte einen Schüler namens Govinda, der ein großer Meister war, Yogindra, ein Herr des Yoga, ein König des Yoga.
Und dann geht es weiter zu dessen Schüler Shri Shankaracharya, der ein großer Schüler war und dann auch ein großer Meister. Er hatte sogar vier Schüler: Padmapada, Hastamalaka, Trotaka (Totaka) und Vartikakaramanya, der ein direkter Lehrer der Sivananda-Tradition ist.
Danach ruft man den eigenen Guru an, Asmad Gurun, der einem „stets zugeneigt“ ist, Santatamanatosmi und „ich bin ihm stets ergeben“.
Der erste Teil besteht aus diesen zwei Strophen: „Ehrerbietung dem Narayana, dem Brahma, dem Vasishtha, dem Shakti und dessen Sohn Parashara, dem Vyasa, dem Shuka, dem großen Gaudapada und dem Govinda.“
In der zweiten Strophe geht es zu Shankara und seinen Schülern: „Dem glückhaften Lehrer Shankara, dessen Schüler Padmapada, Hastamalaka, Trotaka und Vartikakara und auch unseren weiteren Lehrern bin ich stets ergeben.“ Und damit ist die erste Hälfte dieser Guru Parampara Stotra abgeschlossen. Sie geht natürlich noch weiter, aber man könnte auch nach dieser ersten Hälfte schließen, denn man hat alle wichtigen Namen angerufen.
In den nächsten drei Strophen wird besonders Shankaracharya verehrt. Dieser Teil wird deswegen auch als Shankaracharya Stotra bezeichnet.
Da gibt es die Shrutis, Smritis, Puranas, die drei großen Schriften. Und diese sind Alaya, Ort und Stätte. Es geht nämlich um die Verehrung des großen Shankara, der die Wohnstätte der drei wichtigen Schriften ist. Er ist aber auch Karunalaya, der Hort des Mitgefühls. „Und vor diesem verneige ich mich und ich verneige mich insbesondere vor dessen Füßen, zu den Füßen des ehrwürdigen Shankara.“ Und Shankara ist Lokashankara, der Wohltäter der ganzen Welt.
„Ehrerbietung diesem Verehrungswürdigen wieder und wieder. Ich preise den Lehrer Shankara, der letztlich eine Manifestation von Shiva ist, der aber auch Vishnu ist, Badarayana. Er ist der Verfasser des Brahma Sutra und des Kommentars.“ Eine andere Interpretation ist: „Ich verehre Shankara, den großen Acharya Shankara, und ich verehre Keshava, also Vishnu, der auch Badarayana ist, nämlich der Autor des Brahma Sutra. Ich verehre diese beiden, denn der Keshava Badarayana hat das Brahma Sutra geschrieben und Shankaracharya hat den Kommentar dazu geschrieben. Die beiden preise ich wieder und wieder.“
Ishvaro Gururatmeti - es gibt keinen Unterschied zwischen Gott, Guru und Selbst. Ihr Körper ist weit wie der Himmel. Hier wird auch Dakshinamurti angerufen, der als Inkarnation von Shiva gilt. Dakshina leitet sich auch von Diksha ab und dann steht es für Einweihungstradition. „Und so sei dem großen Shankaracharya, der Verkörperung der Einweihung, große Ehrerbietung. Gott, Guru und Selbst sind nichts anderes als Verkörperungen der gleichen höchsten Wirklichkeit, die überall und allumfassend ist. Ehrerbietung Swami Sivananda, Ehrerbietung Swami Vishnu-devananda.“
Die Guru Parampara Stotra rezitieren wir bei Yoga Vidya am Anfang und am Ende von Ausbildungen. Wir rezitieren sie bei jeder Einweihung, Mantra-Weihe, spirituellen Namensgebung, Brahmacharya-Weihe, Sannyas-Weihe und Guru Puja.